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Die genetische Untersuchung der Eizellen bei IVF und ICSI

Jede Eizelle trägt das Erbgut der Mutter in sich – in Form von Chromosomen. Sind die Chromosomen falsch angeordnet, kommt eine Schwangerschaft möglicherweise nicht zustande oder sie wird im Frühstadium abgebrochen. Das gilt sowohl für Schwangerschaften, die auf natürlichem Wege entstanden sind, als auch für Schwangerschaften durch IVF (In-vitro-Fertilisation).

Ein wesentlicher Faktor für chromosomale Fehlverteilung ist das zunehmende Alter einer Frau. Frauen, die in unseren Zentren eine IVF– oder eine ICSI-Behandlung vornehmen lassen, können die Chromosomenverteilung ihrer Eizellen mittels Polkörperdiagnostik (PKD) untersuchen lassen. Unsere Erfahrung zeigt, dass bei künstlicher Befruchtung das Risiko einer Fehlgeburt durch die PKD gesenkt werden kann.

Wie funktioniert die Polkörper­diagnostik (PKD)?

Polkörper entstehen im Laufe der Eizellreifung und des Befruchtungsvorgangs. Eine heranreifende Eizelle halbiert ihr genetisches Material, um sich später mit der Samenzelle verbinden zu können. Das überzählige genetische Material wird in Form eines Polkörpers ausgeschleust und spiegelt die genetischen Informationen des Zellkerns der Eizelle.

Die PKD wird im Vorfeld einer künstlichen Befruchtung durchgeführt. Noch bevor der mütterliche und der väterliche Vorkern in der befruchteten Eizelle miteinander verschmolzen sind, werden die beiden Polkörper der Eizelle entnommen, die für die Entwicklung des Embryos ohne Bedeutung sind. Eine Untersuchung der Polkörper liefert indirekte Hinweise auf die genetische Konstitution der Eizelle – unter anderem, ob Chromosomensätze vertauscht sind (Translokationen), fehlen oder mehrfach vorhanden sind (Fehlverteilungen). Daher spricht man bei der PKD auch von einer „indirekten genetischen Untersuchung“.

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Unterdrückung Ihres natürlichen Menstruationszyklus

Sie nehmen zu Hause per Injektion Medikamente ein, um Ihre natürliche Hormonproduktion zu stoppen und die Freisetzung Ihrer Eizellen zu steuern.

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Stimulierung der Eierstöcke

Sie nehmen etwa zwei Wochen lang ein weiteres Medikament ein, um die Eizellproduktion anzukurbeln. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich mehr Eizellen bilden.

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Überwachung des Fortschritts

Bei einer Ultraschalluntersuchung wird überprüft, wie sich Ihre Eizellen entwickeln und wann sie für die Entnahme bereit sind.
Möglicherweise werden auch einige Bluttests durchgeführt.

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Entnahme der Eizellen

Mithilfe eines anderen Medikaments werden Ihre Eizellen zur Reifung gebracht, damit sie aus Ihren Eierstöcken entnommen werden können. Wenn Ihre Eizellen herangereift und zur Entnahme bereit sind, werden Sie betäubt, damit Sie keine Schmerzen oder Unannehmlichkeiten verspüren. Dann wird eine Nadel sanft durch die Scheidenwand geführt, mit der die Eizellen einzeln entnommen werden. Der gesamte Vorgang dauert etwa 15 Minuten.

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Befruchtung der Eizellen

Ihre Eizellen werden in einem Labor mit Spermien zusammengebracht, um sie zu befruchten. Falls erforderlich, kann eine Embryolog:in jeder Eizelle ein einzelnes Spermium injizieren.. Dies wird als Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) bezeichnet und wird empfohlen, wenn die Anzahl oder Qualität der Spermien nicht ideal ist.

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Embryotransfer

Sobald Ihre Eizellen von Spermien befruchtet wurden, werden sie als Embryo bezeichnet und bis zu sechs Tage lang bebrütet. In der Regel verwenden wir ein EmbryoScope™, einen speziellen Inkubator mit eingebauten Kameras, um ein Zeitraffervideo der Embryonalentwicklung zu erstellen. So können wir beurteilen, welche Embryonen am stärksten sind und sich am ehesten erfolgreich einnisten werden. Die besten ein oder zwei Embryonen werden ausgewählt und zur Entwicklung in die Gebärmutter eingesetzt. Alle anderen gesunden Embryonen können zur späteren Verwendung eingefroren werden.

Wir sind für Sie da

Wenn Sie mehr über dieses Thema wissen möchten, eine Frage haben oder einen Termin in Ihrem Kinderwunschzentrum vor Ort vereinbaren möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir werden uns dann so schnell wie möglich mit Ihnen in Verbindung setzen.

FAQs

Was sind die Unterschiede zwischen Polkörper­diagnostik und Präimplantations­diagnostik?

Der wesentliche Unterschied zwischen der Präimplantationsdiagnostik (PID) und der Polkörperdiagnostik (PKD) liegt im Zeitfenster der Untersuchung.

Bei der PID werden durch IVF gewonnene Embryonen untersucht, die bereits aus vier bis acht Zellen bestehen. Aufgrund geltender Embryonenschutzgesetze ist die Präimplantationsdiagnostik in vielen Ländern (z. B. in Deutschland) nur eingeschränkt erlaubt.

Die Polkörperdiagnostik dagegen wird in dem winzigen Zeitfenster zwischen der Befruchtung der Eizelle und der Verschmelzung der beiden Zellkerne durchgeführt, wenn die Befruchtung noch nicht abgeschlossen ist.

Damit gilt die PKD als „Präfertilisationsdiagnostik“ und ist auch in den Ländern erlaubt, in denen die PID untersagt ist.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Anzahl der Anomalien, die mittels der Untersuchungen erkannt werden können.

Während mit der PID mittlerweile etwa 200 verschiedene Erbkrankheiten und genetische Anomalien identifiziert werden können, beschränkt sich die PKD auf die Untersuchung von Chromosomen-Fehlverteilungen.

Das Risiko der Übertragung von Erbkrankheiten ist damit nicht vollständig ausgeschlossen.

Für wen kann die Polkörper­diagnostik hilfreich sein?
  • Für Frauen über 35 Jahre

  • Für Patientinnen mit wiederholt erfolglosen Embryotransfers

  • Für Frauen mit wiederholten Fehlgeburten in der Vorgeschichte

Das Verfahren ist besonders geeignet für Patientinnen mit mindestens sechs (eher mehr) Eizellen. Die Untersuchung kann aber auch bei einer geringeren Anzahl von Eizellen hilfreich sein, etwa für Paare mit mehreren erfolglosen Behandlungen.

Was sind die Grenzen der Polkörper­diagnostik?

Die PKD erfasst nur die mütterlichen Chromosomen-Fehlverteilungen, die für über 80 Prozent der Fehlverteilungen beim Embryo verantwortlich sind.

Chromosomale Störungen der Samenzelle oder eventuelle spätere Fehlverteilungen des Embryos bleiben unentdeckt. Sie könnten ggf. im Rahmen späterer vorgeburtlicher Untersuchungen ausgeschlossen werden.

In einzelnen Fällen kann es passieren, dass nicht jeder Polkörper einer Analyse zugeführt werden kann. Die entsprechenden Eizellen sind damit nicht eindeutig zu beurteilen.

Unsere Ärztinnen und Ärzte entscheiden in einem solchen Fall gemeinsam mit den Patient:innen, ob ein Embryotransfer mit diesen Eizellen durchgeführt werden soll oder nicht – die Ausgangssituation wäre damit die gleiche wie ohne PKD.

Polkörper­diagnostik mit Molecular Copy Counting

„Molecular Copy Counting“ (MCC) ist ein neues Verfahren, das die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) deutlich verbessern kann.

Es wurde vom TFP Kinderwunsch Wiesbaden und der SH-Gen Wiesbaden gemeinsam mit dem Laboratory of Molecular Biology (LMB) in Cambridge entwickelt, einem der weltweit renommiertesten Institute auf dem Gebiet der Genetik.

Mit Molecular Copy Counting lässt sich die Qualität von Eizellen, die im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (IVF) entnommen wurden, präzise bestimmen. Ziel ist es, die Eizellen auszuwählen, die qualitativ für eine Schwangerschaft geeignet sind.

Diese Leistung bieten wir in:

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